Wer verreist denn da?

Katharina Gertsch rutschte am verschneiten 30. Oktober 1974 ans Licht der Welt. Im Tal der Weissen Lütschine verbrachte sie im Schatten des Wetterhorns ihre Kindheit auf dem elterlichen Bergbauernhof. Mit Anfang 20 entdeckte sie zusammen mit drei Gefährtinnen den Norden des amerikanischen Kontinents. Die Vier kurvten mit einem Motor home durch die Weiten Kanadas.
Später tauschte sie den Luxus des rollenden Zuhauses gegen Schusters Rappen und machte die Hochtäler des Himalajas in Nepal unsicher. Da der Rucksack schon mal gepackt war, buchte sie den Heimflug über Thailand, Laos und Kambodscha, um dann endlich nach 5 Monaten wieder den heimatlichen Schweizer Boden zu betreten.
Im Sommer 2006 traf sie Amors Pfeil in die Brust, in der seit dem noch ein zweites Herz schlägt.

Mark Rettschlag bereitete am 9. Oktober 1976 den Weg für seinen Zwillingsbruder Gerd, der kurz nach ihm die Welt mit seinem Schrei beglückte. Auf der Prärie, die kurz hinter dem Haus seiner Eltern anfing, sass er mit zehn zum ersten Mal auf einem Motorrad. Da er vom Habicht nicht auf den Boden reichen konnte, wurde als erstes das anfahren und anhalten am Holzklotz geübt. Wer so früh mit dem Motorradvirus infiziert wird, den zieht es auch in die weite Welt hinaus: Es folgten Motorradreisen nach Nordeuropa, und mit der nagelneuen KTM das erste Mal nach Marokko, nach Afrika. Nach dieser Schnuppertour folgte das Enduroabenteuer Transafrika mit seinem Bruder Gerd.
Auch Mark erwischte im Sommer 2006 Amors Pfeil, seitdem hat er sein Herz an Kathy verloren.

Logisch das eine gemeinsame Reise nicht lange auf sich warten liess. Zu seinem grossen Erstaunen, konnte Mark seine Katharina fürs Töff, wie man in der Schweiz sagt, begeistern. Auf einer 125er Minsk nahmen die Beiden den Norden Vietnams während drei Wochen unter die Stollen.

Am Neujahrsabend sassen wir bei einer Flasche Rotem am Küchentisch und schmiedeten Zukunftspläne. Auf dem Boden der Weinflasche lauerte der Traum einer langen Asienreise, die einen Bogen vom Wetterhorn in der Schweiz bis zum Kailash in Tibet spannen soll. Wenn sie verwirklicht werden soll, dann kann sie nicht aufgeschoben werden. So beschliessen wir kurzerhand im Mai gen Osten aufzubrechen.